Wenn es zu Ende geht…

Heute möchte ich über ein Thema schreiben, dass mich aktuell sehr beschäftigt. Es ist ziemlich schwere Kost, etwas das ich auf diesem Blog sonst eher nicht thematisiere. Doch die Ereignisse der letzten Woche haben auch dazu geführt, dass es hier sehr ruhig war. Eigentlich sollte es es am vergangenen Wochenende einen Adventsgruß geben und gestern wollte ich den ersten Geburtstag von Kindderachtziger feiern. Doch für all das fehlt mir aktuell die Ruhe und die Energie. Deshalb möchte ich euch an meinen Gedanken und Gefühlen teilhaben lassen, die mich zuletzt sehr bewegten. So wie das Jahr geht auch das Leben eines geliebten Menschen irgendwann zu Ende, das ist oft für den Betroffenen eine Erlösung, doch für die Angehörigen schwer zu akzeptieren. Da sagt der Kopf einem ganz klar, dass weiteres Leid dem Menschen erspart werden soll, aber das Herz schreit vor Schmerz und Trauer über den bevorstehenden Verlust. Wenn ich ehrlich bin ist diese Phase sogar schlimmer als der endgültige Zustand, ich fühle mich hilflos dieser Situation ausgeliefert, kann nichts für den Menschen tun das es verhindert, aber auch nichts das ihm Erleichterung verschafft. Sogar Besuche strengen an, kosten Kraft, da sich die Person dann unbedingt so normal wie möglich geben möchte. Gerade Menschen, die selten ihre Gefühle zeigen und nach außen hin immer möglichst stark sein wollen, setzen dafür all ihre Energie ein. So gerne würde ich etwas backen oder kaufen, das sie liebt, doch sowohl zum Lesen als auch für den Genuss der Lieblingsspeisen fehlt inzwischen die Kraft.

Jedes Mal, wenn das Telefon geht oder ich eine Nachricht bekomme, fürchte ich, dass es nun endgültig ist, ich anfangen muss den unumkehrbaren Zustand zu akzeptieren. Auch wenn ich es noch so sehr versuche die Situation vom Kopf her zu bewältigen, so schaltet sich das Herz immer wieder ein. Zeitgleich beobachte ich, wie eine fast 70 Jahre andauernde Liebe und Ehe mit dieser Situation umgeht. Für jemanden in meinem Alter, der Ehe und eigene Familie noch vor sich hat, ist das besonders interessant zu beobachten. Um ähnliches zu erreichen müsste ich schon um die 100 Jahre alt werden, aber wer weiß vielleicht ist das mit der Medizin der Zukunft gar nicht mehr so unwahrscheinlich.

Wie schon Anfang des Jahres in diesem Beitrag zieht es mich in solchen Situationen zu einem Spaziergang in den nahe gelegenen Park, der besonders zu dieser Jahreszeit wenig besucht ist. Da kann ich dann meinen Gedanken und Gefühlen freien Lauf lassen. So auch vor kurzem als ich unbedingt frische Luft und etwas Zeit brauchte, mich zu sortieren. Dabei sind auch diese Herbstbilder entstanden, die nur noch gerade so in die aktuelle Jahreszeit passen:

Herbst Blatt Laub Park Mülheim

Herbst Blatt Laub Park Mülheim Springbrunnen Fontäne
Es tat mir gut auf diese Szenerie zu schauen, dabei an die derzeitige Situation wie auch an vergangene schöne Moment zu denken und das ein oder andere Tränchen zu vergießen. Irgendwie ist so eine Herbstszene ganz passend für eine solche Melancholie. So wie die Jahreszeiten ist auch das Leben dem Lauf der Zeit unterworfen, niemand kann das beeinflussen. Das zu akzeptieren ist schwer, dennoch schlage ich mich aktuell recht tapfer. Kürzlich habe ich ein Bild gesehen, bei dem eine ähnliche Szene zwischen Mutter und Kind einmal in jungen Jahren und einmal im Alter dargestellt war. Dazu stand dann noch ein sehr passender Spruch, doch leider ist dies im großen weiten Netz für mich nicht mehr auffindbar. Sinngemäß stand da aber, dass sich früher die Mutter um ihr Kind gesorgt hat und es sich dann irgendwann nahezu umkehrt.

Kürzlich haben der Liebste und ich einen Bericht gesehen, in dem das Alter mit der zweiten Kindheit verglichen wurde, bei dem schließlich die Rollen vertauscht werden. Eine interessante Sichtweise, die mir ganz gut gefällt. Vielleicht findet das Alter so mehr Akzeptanz in der Gesellschaft, denn ich gehe davon aus, dass durch höhere Lebenserwartung dieser Teil der Bevölkerung noch weiter ansteigen wird. Nehme mich selbst auch nicht davon aus, mich oft über ältere Menschen, besonders am Steuer oder beim Einkaufen zu beklagen. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass ein Umdenken stattfinden muss in der Zukunft. Ziel sollte es nach einem erfüllten Leben sein auch unter menschlichen Rahmenbedingungen den letzten Lebensabschnitt zu verbringen. Bereits heute sind die Berufe in Pflege und Betreuung älterer Menschen zahlreich, doch wegen Arbeitszeit und Bezahlung nicht der erste Berufswunsch für die Heranwachsenden. Gleiches gilt leider auch für die Betreuung von Kindern, in beiden Bereichen sehe ich noch großen Bedarf, dass seitens Politik noch mehr getan wird. Aber das möchte an dieser Stelle auch nicht weiter ausführen, schließlich hat da jeder so seine Meinung.

Gestern habe ich eine Torte gebacken anlässlich des ersten Geburtstags meines Patenkindes und zeitgleich habe ich sie auch für die Person gemacht, die früher so wundervolle Kuchen und Torten gezaubert hat. Hoffe einfach, dass sie sich darüber ein bisschen freuen kann, wenn sie das Foto sieht. Euch werde ich das Rezept hoffentlich auch bald vorstellen können. Der trübe und nasse Dezembertag heute passt gerade auch zu meiner Stimmung, schaffe es glücklicherweise oft genug auch Freude und Glück zu empfinden, sodass es mich nicht komplett deprimiert. Versuche weiter mit dieser Situation umzugehen und hoffe auf euer Verständnis für eine gewisse Stille hier bei Kindderachtziger. Denke zum kommenden Wochenende kann ich ein bisschen was nachholen und dann wieder einen Rhythmus für meine Beiträge finden.

Wünsche euch weiterhin eine schöne Vorweihnachtszeit und bis bald.

Silke

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