Blogparade #Mein Körper und ich – ein langer Weg zur Zufriedenheit

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Die liebe Fee ist eine bewundernswert starke Frau, die mit ihrer aktuellen Blogparade ein sehr persönliches Thema anschneidet und ich habe ein Weilchen überlegt, ob ich mich daran beteilige. Schließlich haben mein Körper und ich noch nicht lange grundsätzlich Frieden miteinander geschlossen, bis dahin war es ein langer Weg seit ich ein Teenager war. In dieser Zeit habe ich erlebt wie es ist, ausgegrenzt zu werden, weil ich für gute Noten nicht so hart arbeiten musste wie die meisten anderen. Der Begriff Streber war da noch einer der „netten“ Ausdrücke. Durch meinen Kleidungsstil, der nicht von großen Marken und den aktuellen Trends der damaligen Zeit geprägt war, wurde mein Außenseiter-Status noch verstärkt. Mit der Pubertät entwickelte sich mein Körper dann noch von zierlich mit Storchenbeinen zu ziemlich kräftig, was es mir in dieser Situation nicht leichter machte. Seitdem haderte ich meinem Aussehen, dachte „wenn ich doch nur schlank wäre, könnte ich diese angesagten Klamotten tragen“ und bekäme endlich den Anschluss in der Gruppe, den ich mir wünschte. Doch trotz regelmäßigem Sport von Turnen und Tanzen über Fußball (ja Mädchen- bzw. Frauenfußball, der Ende der Neunziger noch nicht so normal war wie heute) bis hin zu Volleyball sowie einer bewussteren Ernährung mit weniger Süßigkeiten wollte es mir nicht gelingen, mein damals gestecktes Ziel zu erreichen. Natürlich ließ ich mich auch vom allgemein geltenden Schönheitideal leiten, dass mit Maßen von 90-60-90 im Vergleich zu heute noch harmlos war.

Das heute Thigh Gap (die Lücke zwischen den Oberschenkel bei geschlossenen Beinen) und Bikini Bridge (im Liegen stehen die Hüftknochen so weit vor, dass die Hose nicht am Bauch aufliegt) als erstrebenswert gelten finde ich erschreckend. Dank Photoshop und Co. wird uns ja in den Medien ein verzerrtes Schönheitsbild vorgegaukelt, das hoffentlich die meisten Frauen auch nicht als ihr Eigenes adaptieren. Dramatisch finde ich allerdings den Einfluss auf unsere nachfolgenden Generationen, denen es sicher noch sehr schwer fällt zu differenzieren. Hier ist es die Aufgabe des erwachsenen Umfelds entsprechend aufmerksam zu sein und einfühlsam aufzuklären, am besten direkt anhand von Beispielen, gibt ja viele Videos im Netz, die zeigen, wie das hübsche Cover-Modell vor der Bearbeitung aussah. Vielleicht lässt sich das auch im schulischen Umfeld einbauen, wobei mir dort schon zu viel Verantwortung abgelegt wird, die dort nicht hingehört. Dennoch sollte über Ausgrenzung/Mobbing etc. aufgeklärt und eine entsprechende Anlaufstelle für Betroffene eingerichtet werden. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie hilflos man dem ausgesetzt ist und die Lehrer zumindest zu meiner Zeit dafür gar keinen Blick hatten. Hoffe sehr für ein mögliches eigenes Kind ein gutes Vorbild zu sein, damit es später ein besseres Selbstbild und ein zufriedenes Körpergefühl hat.

Mit Beginn meiner Ausbildung und der damit verbundenen Akzeptanz durch meine Kollegen entwickelte ich mehr Selbstbewusstsein und setzte die erste Version eines Friedensvertrages mit meinem Körper auf. Doch dieser sollte noch einige Revisionen erhalten, bis er in der heutigen Fassung seine Gültigkeit erhielt. Doch mein Selbstbild geriet immer wieder ins Wanken, wenn ich an mir und meinem Aussehen zweifelte, besonders dann, wenn ich in der Liebe mal wieder gescheitert war. Diese Unzufriedenheit strahlte ich wohl auch aus, was auch nicht förderlich war, wie ihr euch denken könnt. Einen großen Schritt weiter brachte es mich den Liebsten kennenzulernen, von ihm geliebt und begehrt zu werden und mit ihm gemeinsam an der Ernährung zu arbeiten. Schließlich verlor ich etwa 10 kg Gewicht, ein bis zwei Kleidergrößen und legte um ein Vielfaches mehr an Selbstzufriedenheit zu. Inzwischen erwische ich mich dabei, wie ich den Flur beschwingt entlang gehe, als wäre es mein persönlicher Laufsteg, ich mich gerne im Spiegel betrachte und viel öfter innerlich strahle. Damit habe ich eine entsprechende Wirkung auf mein Umfeld, was mir immer öfter nette Begegnungen oder auch mal Komplimente beschert, die mir wieder ein Grinsen ins Gesicht zaubern. Es scheint etwas dran zu sein, dass man zurückbekommt, was man ausstrahlt.

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Hier seht ihr mich in einem Outfit, in dem ich mich erstmals so richtig anziehend finde und gleichzeitig wohl in meiner Haut fühle. Gleichermaßen gibt es natürlich immernoch die Tage an denen ich bestimmte Kleidungsstücke nicht probiere, weil ich glaube, dass sie mir wegen meiner Figur nicht stehen oder ich jedes Fettpölsterchen genau unter die Lupe nehme, das ich gerne los werden möchte. Besonders wenn ich mehr genascht habe als ich wollte fühle ich mich danach nicht besonders attraktiv. Dennoch kann ich inzwischen an diesem öffentlichen Ort zugeben, was mir an meinem Körper gut gefällt: meine Augen, mein kräftiges Haar, meine meist reine und pflegeleichte Haut, meine Oberweite sowie meine Hände und Füße. Abgesehen von den Fettpölsterchen am Bauch, den Oberarmen und Beinen hadere ich mit meinem schlechten Bindegewebe sowie meinem hellen, sonnenbrandgefährdeten Hautton. Doch inzwischen kann ich damit die meiste Zeit ganz gut umgehen und versuche durch gezieltes Training zumindest eine gewisse Verbesserung zu erzielen. Dennoch bin ich inzwischen realistisch genug einzusehen, dass ich an meinem grundlegenden Körperbau und so manchen Gegebenheiten nicht viel ändern kann. So lerne ich stetig glücklich damit zu leben. Zu dem großen Schritt, einen Bikini zu kaufen und auch zu tragen, bin ich noch nicht bereit, aber figurbetonte Kleidung ist schon ein deutlicher Fortschritt für mich. An Tagen wie heute mit viel Zufriedenheit im Herzen, kann ich mich sogar im Ist-Zustand schön finden.

Wenn ich Schönheit definieren müsste fallen mir gleich zwei Begriffe ein: Natürlichkeit und Proportionen. Finde sowohl bei Mann als auch Frau gehört ein bisschen Fett an die richtigen Stellen, damit ich einen Menschen als schön und nicht mager/dürr empfinde. Kürzlich habe ich an einer Raststätte eine Frau mit dunklem Teint gesehen, die ein unglaublich symethrisches Gesicht hatte, was ich auf Anhieb als sehr schön bezeichnet habe. Auch der Liebste war meiner Meinung – diese konnte er ohne Sorge um eine Eifersuchtsszene äußern – und so war ich kurz davor ihr das mal zu sagen, vermutlich passiert das nicht häufig. Schließlich sind wir Menschen geizig mit Komplimenten, versuche auch in diesem Punkt etwas zu verändern, indem ich Leuten in meinem Umfeld sage, wenn mir etwas gut gefällt.

Nachdem ihr nun einen sehr persönlichen Einblick bekommen habt, interessiert mich natürlich sehr, wie ihr zu eurem Körper steht. Schreibt mir fleißig in den Kommentaren, was da in euch vorgeht.

Liebe Grüße, Silke

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8 Gedanken zu “Blogparade #Mein Körper und ich – ein langer Weg zur Zufriedenheit

  1. Liebe Silke,
    ich finde es richtig toll dass du dieses Thema hier so preis gibst und ganz ehrlich schreibst, was wohl fast jede Frau empfindet. Wer von uns ist schon so richtig zufrieden mit seinem Aussehen?! Umso toller dass du Frieden geschlossen hast, denn du hast gar keinen Grund dich schämen zu müssen! Mach weiter so, denn so wie du bist, bist du genau richtig!
    Ganz liebe und sonnige Grüße von Caro <3

  2. Liebe Silke,
    Was für ein toller Beitrag! Ich habe sehr viel genickt, während ich deine Zeilen gelesen habe. Auch ich kenne das mit dem Ausgegrenzt-Sein und mit der Akzeptanz, wenn man die Schule erst mal verlassen hat und im Berufsleben mit Erwachsenen zusammen arbeitet. Auch deine Gedanken zur Liebe/ dem Liebsten und zu schlechtem Bindegewebe kann ich nickend bestätigen. 😀
    Danke, dass du deine Erfahrungen mit uns geteilt hast.

    LG
    Nika

    PS: Du siehst toll aus! Und das Kleid steht dir super gut.

    • Liebe Nika,

      vielen Dank, du hast mir direkt ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Hätte nicht gedacht, dass mich der Frieden mit meinem Körper und das damit verbundene Wohlgefühl so glücklich machen würde. Auch wenn ich heute morgen ein recht schmal geschnittenes Shirt wieder ausgezogen habe, werde ich mutiger und greife meist recht gezielt nach dem, was ich tragen werde. Das lange unschlüssig vor dem Kleiderschrank stehen gehört inzwischen der Vergangenheit an. Wenn sich das Sommerwetter halbwegs bis Sonntag hält, werde ich das Kleid mal wieder ausführen.

      LG Silke

  3. Liebe Silke, du siehst super aus!!! Und ein Hoch an den Liebsten, dass er dir auch dein Vertrauen zurückgebracht hat. Das hast du sehr schön geschrieben!

    • Hallo Karin,

      vielen Dank, das freut mich sehr. Mit dem Liebsten habe ich wirklich einen Volltreffer gelandet.

      Liebe Grüße, Silke

      P.S.: dein Päckchen für die Foto Challenge ist gestern angekommen. Habe heute schon einmal damit fotografiert.

  4. Dein Beitrag spricht mir aus dem Herzen, wie schön, dass es diese Blogparade gibt und dadurch mehr mitbekommen, wie idiotisch und auch gefährlich diese unerreichbaren Schönheitsideale (damals wie heute) doch sind.

    Liebe Grüße,
    Hadassa

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