Radeln im Pott – Teil 3: das Geleucht in Moers

Nachdem wir am Vortag bereits einiges geradelt waren, Näheres könnt ihr hier nachlesen, sollte es am Pfingstsonntagabend eigentlich eine kleine Tour von etwa 8 km einfache Strecke werden. Das Ziel verriet mir der Liebste nicht, er hatte sich an einer Empfehlung der Radfahr-App komoot orientiert und ich war einverstanden. Mit diesem Wissen radelten wir los, natürlich überlegte ich als grob die anfängliche Richtung klar war, wo es denn wohl mit dieser Entfernung von unserem Zuhause hingehen könnte. Vielleicht in den Duisburger Innenhafen, um dort etwas zu essen oder zu trinken, denn es war am Tag recht sonnig und schön gewesen. Dementsprechend hatten wir uns beide für T-Shirt und Strickjacke zur Jeans entschieden. Als irgendwann der Abzweig dorthin vorbei war, machte ich mir weiter Gedanken, wo es denn hingehen könnte. Wurde nicht so recht schlau daraus, irgendwann waren wir dann in Ruhrort und ich dachte mir schon, dass nun so langsam die Länge der Strecke auf einfachem Wege erreicht sein müsse. Auf der Brücke in der Nähe der Mühlenweide gefiel mir das Panorama mit der langsam untergehenden Sonne, dem Rhein und den Schiffen so gut, dass ich darum bat anzuhalten, um Fotos zu machen.

Rhein Duisburg Ruhrort Schifffahrt Sonnenuntergang Mündung
Finde das Bild ist mir auch ziemlich gut gelungen, kann mich direkt wieder an den Abend zurück versetzen. Nachdem ich mit dem Knipsen fertig war, eröffnete mir der Liebste, das man sein Ziel am Horizont schon erkennen könne. Am Horizont, dachte ich, da sehe ich nur die Brücke der A42 und die Stadteile Hamborn/Beeck, wo will er denn da hin? Nachdem all meine Vermutungen ins Leere liefen, lüftete er das Geheimnis, das es zum Geleucht – der Grubenlampe in Moers – gehen sollte und ihn die App wohl in die Irre geführt habe. Die 8 km waren wohl nicht die tatsächliche Strecke von unserem Standort in Mülheim aus, sondern von der Person übernommen, die diese Tourempfehlung in der App eingestellt hatte. Nun galt es zu entscheiden, ob wir weiter fahren oder umkehren wollten. Voller Schwung vom erholsamen Wochenende und dem Willen, jetzt nicht einfach aufzugeben, fuhren wir weiter am Rhein entlang. Dabei boten sich weitere schöne Fotomotive und eine ganze Schafsherde.

Friedrich Ebert Brücke Duisburg Ruhrort Fahnenmast Mühlenweide
Rhein Schafe Duisburg Laar Deich Sonnenuntergang
Schafe Lämmchen Baby Schäfchen

Nachdem wir dann die Brücke der A 42 überquert und in Baerl / Moers angekommen waren, war es schon merklich kühler, da Sonne fast untergegangen war. Da kamen die ersten Zweifel, ob die Aktion so eine gute Idee war, doch so kurz vor dem Ziel war aufgeben wirklich keine Option mehr. Nach einigem Suchen, da die App doch nicht alle Wege genau kannte und wir noch keine Halterung fürs Smartphone am Fahrrad hatten, trafen wir auf eine Gruppe von Geleucht-Besuchern, die scheinbar eine Führung gebucht hatten, denn alle trugen eine kleine rote Grubenlampe bei sich. Dies half uns den richtigen Weg nach oben zu finden, doch dieser war nach einiger Zeit so steil, dass es selbst im kleinsten Gang mit dem Rad nicht mehr zu schaffen war. Doch wir bissen auf die Zähne, denn schließlich war das Ziel schon fast zum Greifen nah. Nachdem ich schon einige Mal dachte, jetzt müsste es doch die letzte Kehre sein, kamen wir irgendwann endlich oben an. Die Wege sind anscheinend noch recht neu und schlangenlinienförmig angelegt, was die App zwischenzeitlich etwas verwirrte, aber dazu gleich mehr. Der Ausblick vom Geleucht entschädigte uns aber für all die Mühen, dort hinauf zu kommen:

Moers Geleucht Grubenlampe Sonnenuntergang Niederrhein
Moers Duisburg Brücke A 42 Rhein Blick von oben ThyssenKrupp Werk
Geleucht Moers Grubenlampe

Unterhalb des Geleuchts ruhten wir uns auf den Stufen noch ein wenig aus, als die Gruppe schließlich ihr Ziel erreichte und das Geleucht zur Besichtigung geöffnet wurde. Das wäre auch unsere Chance gewesen mit hoch zu gehen, doch wir wollten uns lieber die Zeit und die Kräfte für den Rückweg aufsparen. Damit komme ich zu einem weiteren Erlebnis dieser Tour, dem Rückweg. Hierbei wollten wir eigentlich wieder der App vertrauen – besser wäre es gewesen, mal auf den gesunden Menschenverstand zu hören – um nach unten zu gelangen. Doch diese führte uns über schmale Pfade mitten durchs Gebüsch, vermutlich war der Weg früher so angelegt gewesen. Als wir endlich wieder gefestigten Boden unter den Rädern hatten begegneten uns – gefühlt – riesige Mücken von der Größe wie eine Libelle oder ein Schmetterling, glücklicherweise sind wir von Stichen verschont geblieben. Wobei das irgendwie die „Krönung“ dieser Tour gewesen wäre.

Für den weiteren Rückweg entschieden wir uns linksrheinisch zu bleiben, um gefühlt etwas Wegstrecke zu sparen. Inzwischen war es nach Sonnenuntergang wirklich kalt, sodass einem sowohl Ohren als auch Finger abfroren, je länger wir fuhren. Die Dunkelheit erschwerte zumindest mir zusätzlich das Fahren, da mein Scheinwerfer vorne alles um mich herum wie Straßenschilder und Bäume anstrahlte nur nicht den Weg vor mir. Solange wir unter Straßenbeleuchtung fuhren, war das nicht so problematisch, doch auf dem letzten Teilstück entlang der Ruhr konnte ich mich nur noch an der LED-Leuchte des Liebsten orientieren, der allerdings nicht zu weit vorweg fahren durfte. Zeitgleich wurde auf dem Stück der Zustand des Radwegs deutlich schlechter und die tiefhängenden Äste / Sträucher machten uns zusätzlich das Leben schwer. Zu diesem Thema habe ich bereits mit der Stadt bzw. den Zuständigen bei Straßen NRW Kontakt aufgenommen. Zwar hängen überall Schilder, dass die Strecke in schlechtem Zustand ist, aber ein ordentlicher Grünschnitte hätte schon geholfen. Außerdem sind die Schilder bei Dunkelheit kaum lesbar und in unserer Verfassung haben wir sie auch nicht wirklich beachtet. Ziel war nur noch irgendwie nach Hause ins Warme zu kommen, was zu trinken und zu essen. Der Kuchen vom Nachmittag war inzwischen mehr als verbraucht.

Als wir schließlich zuhause ankamen, beschlossen wir noch ins Auto zu steigen und zum goldenen M zu fahren. So etwas hatten wir beide seit Jahren nicht mehr gemacht, nur das Haus verlassen, um einen Burger zu essen. Die wenigen Treppen runter in die Tiefgarage waren für mich kaum zu schaffen, so hart waren meine Oberschenkel, einzelne Stufen bin ich sogar runter gehopst, weil es nicht mehr ging. Fühlte mich wie ein Cowboy, aber nach einer Tour von 36 km in etwa 3 Stunden ist das ja auch kein Wunder. Hier könnt ihr unseren Weg nachverfolgen:

Radweg Geleucht Moers Mülheim
Nach Mitternacht fielen wir dann gesättigt und völlig entkräftet in sekundenschnelle in einen tiefen Schlaf. Doch immerhin konnten wir uns für die Tour mit schönen Fotos belohnen und haben nun in vielen Jahren noch eine Geschichte zu erzählen, die sich sicher noch unsere Enkel – sofern wir damit gesegnet werden – noch anhören dürfen. Wenn ihr mögt, erzählt mir von euren Fahrradabenteuern oder anderen Vorfällen, bei dem Plan und Wirklichkeit am Ende sehr weit auseinander lagen. Ich freue mich darauf.

Nun hoffe ich, ihr habt ein nettes Plätzchen gefunden, um die heißesten Tage des Jahres gut zu überstehen.
Liebe Grüße, Silke

P.S.: Wenn ihr euch auch für die anderen Teile dieser Reihe interessiert, findet ihr sie hier unter Teil 1 und Teil 2

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4 Gedanken zu “Radeln im Pott – Teil 3: das Geleucht in Moers

  1. So klingt Abenteuerurlaub heute.
    Gut, dass ihr mittlerweile sogar mit ordentlich (Flak-) Beleuchtung ausgestattet seit. Es freut mich, dass ihr beiden ein so schönes gemeinsames Hobby gefunden habt.

Ich freu' mich auf deinen Kommentar!