#Schreibzeit – Demut im 21. Jahrhundert?!

Verehrte Leserschaft,

bei dem Titel vermuten sicher viele eine Moralpredigt, besonders gläubige Ausführungen oder eine nun völlig durchgedrehte Bloggerin. Daher fand ich diese wertschätzende Anrede durchaus gerechtfertigt, ich hoffe ich habe nicht zu sehr übertrieben. Bei Bine’s Projekt Schreibzeit auf ihrem Blog waseigenes habe ich bisher nur fleißig als Kommentatorin mitgemacht, nun reizt mich das Thema in diesem Monat so sehr, dass ich ihm einen eigenen Post widme. Der Begriff Demut ist in unserem Zeitalter fast ausgestorben, zumindest kommt es mir so vor.  Doch um meine eigene Definition der Demut zu finden, habe ich mich ein wenig im Netz zu dem Thema eingelesen und bin auf die folgenden für mich besonders passenden Erläuterungen gestoßen:

  • „Das Zurückzunehmen der eigenen Interessen gegenüber einer höheren Macht oder gegenüber einer Gemeinschaft“ (Quelle: KLICK)
  • „Der Demütige trachtet jedoch nicht danach, entgegen dem Lauf der Dinge einen persönlichen Vorteil zu erreichen. Er trachtet danach, sich der jeweiligen Gegenwart so hinzugeben, dass er ihr ohne Widerstand dient. (Quelle: KLICK)
  • „Ein demütiger, sanfter Mensch, lebt in großem Frieden und sein Herz hat Ruhe. Demut ist Stärke. Ein demütiger Mensch ist kein schwacher Mensch. Wenn Du Tugenden besitzt, denke, dass Andere viel größere Tugenden in sich tragen. Das hilft dir, Demut zu entwickeln. Ein weltlich orientierter Mensch hält zu viel von sich. Er glaubt, dass ihm keiner an Schönheit, Intelligenz und Erfahrung gleichkommt – und das erzeugt Eitelkeit und Arroganz. Wer demütig ist und alle weltlichen Titel und Ehren für bloßes Stroh hält, ist wahrlich ein großer Mensch. Man sollte ihn verehren. Deine Schwächen zu kennen erfüllt dein Herz mit Demut und zwingt dich, dich mit Stärke auszurüsten und passende Methoden zu finden, sie zu überkommen.“ (Quelle: KLICK)

Riesenschildkröte; Galapagos Schildkröte; Loro Parque Teneriffa
Sicherlich kann man den Begriff Demut, so wie jeden anderen auch, ins Extreme ziehen und ihn mit Unterwürfigkeit gleichsetzen. Doch so weit würde ich bei meiner Definition nicht gehen. Für mich sind die herausragenden Elemente die Dankbarkeit, die Gelassenheit und die Fähigkeit eigene Schwächen und unabänderliche Dinge hinzunehmen bzw. anzuerkennen. Zum Thema Dankbarkeit habe ich ja erst kürzlich einen Beitrag verfasst, daher stürze ich mich auf die verbliebenen Punkte. Das Bild der Riesenschildkröte passt für mich sehr gut, da sie ihre „Schnelligkeit“ akzeptiert und für mich der Inbegriff der Gelassenheit ist. An meiner Gelassenheit arbeite ich aktuell mittels Meditation, auf die ich durch einen Post der lieben Karin Anfang März aufmerksam geworden bin. Besonders zu Beginn hat mir die App „Calm“ geholfen, die u.a. geführte (englischsprachige) Sitzungen anbietet oder einfach nur ruhige Melodien auf Wunsch mit Timer ab 2 Minuten aufwärts anbietet. Nach gut einem Monat schaffe ich es meistens morgens für wenige Minuten noch vor dem Aufstehen innezuhalten, mich auf das hier und jetzt zu konzentrieren und mit mehr Energie in den Tag zu starten. Zwischendurch meist gegen Abend nehme ich mir dann 10-15 Minuten Zeit für eine der geführten Lektionen der App, die einem verschiedene Übungen zur Entspannung zeigt und die Sinne schärft, im Alltag öfter mal aus dem „Autopiloten“ auszubrechen. Habe den Eindruck, dass ich insgesamt ruhiger geworden bin und auch mit Situationen, die mich aufregen insgesamt gelassener umgehen kann. Merke besonders im Straßenverkehr, dass ich seltener am Steuer schimpfe und wild gestikuliere, wenn es nicht so läuft, wie ich es mir wünsche.

Erst kürzlich sprach ich mit einer Kollegin darüber, dass es immer wieder Dinge und Ereignisse gibt, die man nicht ändern kann und die einen oft unverhofft treffen. Wir überlegten dann, wie es wäre, wenn man von einer Wahrsagerin die Zukunft vorhergesagt bekäme, ob wir es überhaupt wissen wollten und wenn ja, wie wir mit diesem Wissen umgehen würden. Schließlich kann niemand eine verlässliche Prognose für die Zukunft stellen. Das Ergebnis unseres Gesprächs war dann auch, dass wir lieber nicht alles über unsere Zukunft wissen wollen. Vielfach hat mich die Erfahrung gelehrt, dass alle Erlebnisse, die man im Laufe eines Lebens macht, irgendwann einen Sinn ergeben, auch wenn man ihn nicht sofort erkennt. Ich habe das ein oder andere Mal sogar Monate oder Jahre später den Grund gefunden oder verstanden, wie wichtig und richtig diese Erfahrung für mich war. So bin ich in vielen Fällen dazu übergangen, das Geschehene hinzunehmen, da ich es ja nicht ändern kann. Auch versuche ich einmal gesteckte Ziele von Zeit zu Zeit zu hinterfragen und Sie gegebenfalls durch andere zu ersetzen, wenn sie sich als nicht realisierbar herausstellen, mich mehr blockieren als antreiben und ich meine Energie besser einsetzen könnte. Dazu gehörte auch die Teile meines Wesens, die ich gemeinhin als Schwächen bezeichnen würde, zu akzeptieren und nicht dem aktuell vorherrschenden Trend zur Perfektion hinterher zu laufen. Ein wirklicher Trendsetter oder Mitläufer in diesem Sinne war ich eigentlich nie, dennoch kann ich mich nicht davon freisprechen Vergleiche anzustellen. Eine Gegenaktion zu diesem Trend hat Katja von Mädchenmitherz gestartet, vielleicht stelle ich auch demnächst etwas zu „ich kann voll nicht…“ ein. Ich bin immer wieder überrascht wie viele sich von den schönen Bildern auf anderen Blogs, bei Instagram, Pinterest und Co. beeinflussen und teils sogar stressen lassen. Vielleicht habe ich in diesem Punkt schon eine Gelassenheit und Stufe der Demut erreicht, die mich davor bewahrt, ähnlich zu empfinden. Wie bei vielen anderen Dingen auch habe ich meinen eigenen Weg gefunden und lasse mich dabei nicht allzu sehr von der allgemeinen Meinung leiten.

Was für mich in Bezug auf Demut und Dankbarkeit auch dazu gehört ist Wertschätzung. Diese kann ich besonders in unserem Zeitalter anderen Menschen entgegenbringen, wenn ich ihnen Zeit widme. So erzählte mir erst kürzlich ein Kollege, dass er das Gefühl habe für ein gemütliches Grillen im Freundeskreis oder ähnliches bliebe ihm nicht mehr die Zeit. Früher habe er das deutlich öfter gemacht. Dazu muss man wissen, dass er nur ein wenig jünger ist als ich. Dazu habe ich ihm erwidert, dass ich mir für einige wenige enge Freunde diese Zeit immer nehme, auch wenn es manchmal schwierig ist. Beispielsweise unseren Abend am Karfreitag, von dem ich hier berichtet habe, war die Gelegenheit einige Freunde wiederzusehen und einige schöne Stunden zu verbringen. Dafür war es uns auch die Mühe wert, das Essen soweit als möglich frisch zuzubereiten, was entsprechend anerkannt wurde. Dennoch waren einige überrascht, dass wir die Nuggets und Kartoffelecken, die es gab, selbst paniert/gewürzt hatten. Denke auch wenn es oft schwierig ist, muss man sich auch der Zeit nicht unterwerfen, in dieser Hinsicht ist jeder seines Glückes Schmied. Sicherlich habe ich das in der Vergangenheit auch nicht konsequent gelebt, aber gerade in den letzten Jahren und mit einem sich verändernden Freundeskreis ist mir klar geworden, wer mir wichtig ist und Energie schenkt. Dem gebe ich Zeit zurück, entweder indem ich mich mit ihm treffe oder etwas Selbstgemachtes schenke. Darin habe ich Zeit und Gehirnschmalz investiert, was ich aber für besondere Menschen gerne tue. Daher macht es mir auch so viel Spaß zu backen und es dann später mit anderen zu verzehren. Dabei ist mir die Freude des Anderen über das Geschenkte oder Selbstgemachte wichtiger, als aufzurechnen, was ich bisher schon von dieser Person bekommen habe. Nichtsdestotrotz achte ich darauf, wer diese Großzügigkeit ausnutzt und mir so Energie raubt.

So nun hoffe ich, dass dieser Post für euch nicht all zu schwere Kost war. Vielleicht habe ich euch auch zum Nachdenken angeregt, freue mich sehr über eure Sichtweise zum Thema Demut.
Wünsche euch noch einen schönen Tag.

Viele liebe Grüße,
Silke

Facebooktwittergoogle_plusmail

2 Gedanken zu “#Schreibzeit – Demut im 21. Jahrhundert?!

  1. Hallo Silke,

    Vielen Dank für diesen nachdenklich machenden Text, der ganz und gar nicht schwere Kost war. Oder ist. Er steht ja noch da. Ich korrigiere mich also: keine schwere Kost ist. So, das sieht besser aus 😉

    Ich finde durchaus daß „Demut“ ein Begriff ist der auch im 21. Jahrhundert noch als Wert vermittelt werden sollte statt ihn nur als Relikt längs vergangener Tage zu betrachten. Ich sehe diesen Begriff ähnlich wie Du und würde ihn mit Gelassenheit, Ruhe, Offenheit und Dankbarkeit verbinden. Wobei es mir persönlich sehr häufig an Gelassenheit fehlt, gerade wenn ich hinter dem Steuer sitze und mal wieder vergesse daß mein Auto keinerlei Isolation besitzt und man mich draußen sehr deutlich hören kann … Das Zitat von Swami Sivananda faßt es sehr gut zusammen für mein Empfinden.

    Liebe Grüße,
    Mirtana

    • Hallo Mirtana,

      vielen Dank für deinen Kommentar, ich freue mich, dich hier begrüßen zu können. Deine Worte beruhigen mich, schließlich hatte ich mich bisher nicht mit solch weitreichenden Themen hier befasst. Am Steuer kann ich mich auch nur schlecht beherrschen, doch ich bin froh, dass es insgesamt seltener geworden ist.

      Wünsche dir noch einen schönen Tag.
      Viele liebe Grüße, Silke

Ich freu' mich auf deinen Kommentar!